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L10N Reality Check: Ein Insider bringt Licht in die dunklen Geheimnisse der Übersetzungsindustrie

1939 Weltaustellung: "Trylon und Perishere" - Anbruch eines neuen Tages

Falls Sie kürzlich an einem Seminar zum Thema Globalisierung, Übersetzung oder Lokalisierung teilgenommen haben, dann haben Sie sicherlich eine Menge Aufregendes über die “Revolution” in der Übersetzungsindustrie gehört. Cloud Computing, Crowd-Sourcing, neue Leistungsfähigkeit von Translation Memories, mystische Projektmanagement-Portale und eingeschränkte (oder vereinfachte) Sprache führen uns alle in eine scheinende neue Welt, in der “unsichtbare Diener” unsere Inhalte übersetzen und an ein grosses und verteiltes Publikum weitergeben. Die New Yorker Weltausstellung von 1939 versprach auch die “Welt von Morgen” und es gab auch einen riesigen Pavillon für die Asbest-Industrie. Fernsehen wurde auch prominent vorgestellt, wurde aber erst 15 Jahre später allgemein verfügbar. Obwohl diese Weltausstellung in den frühen 80er Jahren abgebrochen wurde, gibt es noch immer die gleiche Wow-Mentalität, wenn es um Übersetzungs- und Globalisierungsseminare geht. Grundsätzlich sind fast alle Übersetzungsbüros irgendwie gleich. Deshalb können wir dem Schaumschlagen und Luftschlösserbauen einiger Anbieter verzeihen, denn nur so können sie sich von den Mitbewerbern unterscheiden – sich von der Masse abheben.

Sie werden vielleicht feststellen, dass Sie mit Ihrem Budget, Ihren Ressourcen, Ihren zur Verfügung stehenden internen Arbeitsabläufen und Ihrem Personalbestand sich ein bisschen wie ein Kunde im Jahr 1932 fühlen, der seine Nase gegen die Scheibe eines Duesenberg Ausstellungsraums drückt. Ja, jemand wird das Auto kaufen. Aber Sie werden es nicht sein.

Technisch gesehen, ist fast alles, was Sie während des Besuchs eines Lokalisierungs- oder Übersetzungsseminar hören wahr. Aber das “Morgen” über das gesprochen wird, ist möglicherweise ein wenig weiter weg, als Sie annehmen würden. In der Tat werden Sie vielleicht feststellen, dass Sie mit Ihrem Budget, Ihren Ressourcen, Ihren zur Verfügung stehenden internen Arbeitsabläufen und Ihrem Personalbestand sich ein bisschen wie ein Kunde im Jahr 1932 fühlen, der seine Nase gegen die Scheibe eines Duesenberg Ausstellungsraums drückt. Ja, jemand wird das Auto kaufen. Aber Sie werden es nicht sein. Und wenn Sie dann zu einer massiv besseren Lösung welchseln können, werden Sie möglicherweise feststellen, dass die “Auto-Namen” und angebotenen Lösungen sich enorm verändert haben.
Verstehen Sie mich nicht falsch: “Global” zu handeln ist eine Notwendigkeit und die Übersetzung/Lokalisierung ist jeden Cent wert den Sie bezahlen. Aber es ist nicht billig und es ist oft nicht schön. Und ja, es gibt eine Handvoll von Anbieter dort draussen, die Ihre Ignoranz ausnützen und Ihnen unnötige Kosten aufs Auge drücken werden. Lesen Sie weiter, um herauszufinden, wie Sie mit Ihren eigenen Ressourcen so effektiv wie möglich mit Inhaltslieferanten und den eigenen Mitarbeitern umgehen können. Dieser letzte Faktor, Ihre Mitarbeiter (und veraltete Authoring-Software) sind ein riesiger Flaschenhals, der nur selten durch Übersetzungsdienstleister während Seminaren oder vor, während oder nach einem Verkauf erwähnt werden.

Eine Traumwelt, immer noch außer Reichweite für die meisten von uns

Seminare lassen auch den Eindruck entstehen, dass Ihr Übersetzungsdienstleister ein StarTrek-würdiges Projektmanagementsportal hat, das praktisch alles automatisiert.

Seminare von Lokalisierungsdienstleister versprechen viel, vor allem eine bessere Zukunft. Visionen von sauberen XML- und DITA-Dateien mit einer totalen Trennung von Inhalt und Gestaltung werden beschrieben, mit Inhalten auf einem durchdachten Content-Management-System (CMS), die schnell den nur geänderten Teil des überarbeiteten Inhaltes identifizieren. Verbesserte Software-Lösungen würden nur die geänderten Inhalte herausholen (über eine automatische E-Mail-Benachrichtigung) und diese Teile mit Referenzmaterialien zum Übersetzungsdienstleister senden. Seminare lassen auch den Eindruck entstehen, dass Ihr Übersetzungsdienstleister ein StarTrek-würdiges Projektmanagementsportal hat, das praktisch alles automatisiert.

All diese Lösungen existieren tatsächlich, aber es gibt auch versteckte Kosten und Einschränkungen im eigenen Workflow und bei der Anzahl eigener Mitarbeiter, die wahrscheinlich diese Magie unerreichbar werden lassen. Wenn Sie sich an Ihr erstes Übersetzungsprojekt wagen, werden wahrscheinlich unerwartete Kosten im Zusammenhang mit der Softwarelösung auf Sie zukommen, Sie zusätzliche nach dem Kick-Off-Dienstleistungen benötigen und auch Ihre eigenen internen Ressourcen beanspruchen oder zusätzlichen Arbeitsstunden von ihnen abverlangen.

Lokalisierungsanbieter sind gute Menschen. Aber wie jeder andere auch in Verkauf, wollen sie das Geschäft abschließen. Deshalb gibt es immer die Versuchung, bei Ihnen als potentiellen Neukunden, die tatsächlichen Kosten Ihres ersten Kostenvoranschlages viel tiefer anzugeben. Ein paar Übersetzungsdienstleister, welche absichtlich sehr tiefe Offerieren und andere Unterbieten, um den Auftrag zu bekommen, werden sobald das Projekt begonnen hat, normalerweise jede noch so kleine Projektabweichung voll weiterverrechnen .

Die Herausforderung, den richtigen Anbieter zu finden

Die Übersetzungsindustrie ist zur Zeit in der Mitte erheblicher Turbulenzen aufgrund einer Reihe von Übernahmen, der Aufteilung großen Anbieter, stabilen mittelgrossen Agenturen und Tausenden von kleinen (und manchmal auch sehr effektiven) Anbietern. Basierend auf der folgenden Liste können Sie wirklich nicht beurteilen, wie gut ein Anbieter Ihre Bedürfnisse erfüllt:

  • Wie gut die Webseite des Anbieters ist
  • Die Anzahl von Büros im Ausland
  • Dass das Projektmanagement-Portal “nur für Sie” da ist
  • Oder beliebig viele andere gemeinsame Faktoren

Der beste Weg einen Anbieter zu wählen, ist immer noch durch Mund-zu-Mund-Propaganda, Social Networking und direkten Kontakt mit glaubwürdigen Referenzkunden.

Glücklicherweise in der heutigen Welt von Twitter, Facebook, Xing und einer Reihe von anderen sozialen Netzen ist es viel einfacher eine Hintergrundüberprüfung zu machen, als an irgendeinem Punkt in der Geschichte. Bei der Betrachtung eines Lieferanten zum Beispiel, können Sie das Unternehmen auf Xing prüfen und die Anzahl der ehemalige Mitarbeiter zählen, um die Mitarbeiterfluktuation zu prüfen.

Hier sind einige Dinge die es zu beachten gilt:

Rote Flagge # 1: Wenn Sie eine Unternehmenswebsite besuchen und feststellen, dass der CEO seiner Fingerabdrücke und Persönlichkeit auf fast jeder Seite (z.B. Videos, wo der CEO 90% der Sprechzeit übernimmt, alle Blogs durch den CEO geschrieben sind oder spröde geschriebene Pressemitteilungen, die ihn reichlich zitieren), gehen Sie nicht, sondern rennen Sie so schnell wie möglich, um einen anderen Anbieter zu finden. Dies ist ein sicheres Zeichen für ein “geschlossenes” Umfeld, in der Kreativität nur tröpfchenweise durchkommt.

Rote Flagge # 2: Wenn der CEO und die Zentrale in den USA sitzen, und die Website des Unternehmens nicht deutlich macht, dass Ihre europäische Division ein ziemlich unabhängiges Management hat, kann dies ein weiterer hemmender Faktor sein. Ich spreche aus Erfahrung, da ich viele brillante Softwarelösungen gesehen habe, welche von eine Stimme am Telefon mit einem amerikanischen Akzent abgeschossen wurde, welche fragte: “Sorry Jungs, aber hat jemand dies bereits zuvor getan? ”

Vor Jahren sind einige Leute in Schiffe gestiegen, um eine bessere Welt zu finden. Und als das Gold ausging, erfanden sie das “Silicon Valley. Anderer Leute Vorfahren waren etwas weniger abenteuerlich. Nur ein Gedanke…

Denken Sie daran, wenn Sie am Freitag Morgen aus der ersten Besprechung kommen, dann werden in Asien die Computer heruntergefahren und bis Sie wissen, dass Sie noch etwas benöten, dann sind sie bereits im Wochenende.

Einige andere Bedenken sollten Sie sich klar sein: Zeitzonen zwischen Ihnen und Ihren Dienstleistern und unterschiedliche Feiertage, werden Ihren Projektfortschritt wie Eis in der Sonne schmelzen lassen, falls Ihre eigene Crew nicht ziemlich “flexibel” ist. Verstehen Sie mich nicht falsch, nicht alle in den USA oder Asien ansässigen Unternehmen sind schlecht. Aber ich habe persönlich schon mehrmals die Erfahrung mit Dienstleistern auf anderen Kontinenten gemacht, die einfach nicht das Zeitverständnis und Dynamik von europäischen Firmen verstehen. Nehmen Sie dies mit: Identifizieren Sie bei jedem Übersetzungsdienstleister alle Teammitglieder und in welcher Zeitzone sie sind. Denken Sie daran, wenn Sie am Freitag Morgen aus der ersten Besprechung kommen, dann werden in Asien die Computer heruntergefahren und bis Sie wissen, dass Sie noch etwas benöten, dann sind mindestens die Japaner bereits im Wochenende.

Größer ist nicht immer besser

Ironischerweise drohen grössere, konservativere Dienstleister zu "ersticken" oder hindern die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit.

Man könnte versucht sein, einen größeren Übersetzungsdienstleister zu wählen und zu denken, dass Dutzende von Büros um den Globus, jahrzehntelange Erfahrung und eine große Anzahl Mitarbeitende den Erfolg des Projekts garantieren würden. Ironischerweise drohen grössere, konservativere Dienstleister zu “ersticken” oder hindern die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit. Es hängt wirklich nur von der Abteilung mit der Sie zusammenarbeiten ab und ob Sie ein stabiles Team von Projektleitern haben.

Einige große Übersetzungsdienstleister haben eigene große interne Übersetzerpools, Hunderte von Desktop-Publishing-Spezialisten, aber diese Mittel sind auf einer “first come, first serve”-Basis verfügbar. Und dann gibt es die 30 bis 40 Feiertage über den Globus verteilt, welche diese fernen Ressourcen zu unpassenden Zeiten nicht verfügbar machen.

Positiv ist zu vermerken, wenn ein großer Übersetzungsdienstleister eine Menge von kleinen bis mittelständischen Unternehmen erworben hat, und klever genug war die ursprünglichen innovativen Führungskräfte an Bord zu halten, könnte es ein toller Partner für Sie sein. Und wenn Sie feststellen, dass der Grossteil der Manager einen ausländischen Akzent haben, ist dies wahrscheinlich nicht der Fall.

In einigen Fällen werden Sie feststellen, dass ein mittelgrosser Dienstleister mit hochtalentierten Mitarbeitern die Erfahrung und Geduld hat, eine Lösung zu finden, die Ihren Bedürfnissen entspricht. Einige “grosse” Anbieter werden nicht mal mit Ihnen reden, wenn Sie nicht mit einem 50k bis 70k Euro Projekt ankommen. In einigen Fällen kann sogar ein ganz kleiner Dienstleister, der sich spezialisiert hat (z.B. Medizinaltechnik), die beste Wahl sein.

Werden XML und DITA “Ihr leben ändern” und von den Toten auferstehen?

Beinahe jedes Lokalisierungs- und Content Management-Seminar preist die Vorteile der Darwin Information Typing Architecture (DITA) und der Extensible Markup Language (XML), die zusammen mit intelligentem Content Management zu ergeblich geringeren Übersetzungskosten mit einem unglaublichen ROI (Return of Investment) führen. Unter den richtigen Umständen ist all dies wahr, aber hier sind die Grenzen:

  • Es gibt eine Vielzahl von Formaten und Dokumentenstrukturen, welche DITA nicht sehr gut unterstützt. Bereiten Sie sich darauf vor, die Formatierung Ihrer Dokumente zu vereinfachen und auf einige liebgewonnene  Besonderheiten zu verzichten (inklusive Satzstruktur).
  • Seien Sie bereit einen ziemlich hohen Preis für die zugrundeliegende Datenbank zu bezahlen, wenn Ihre Projekte riesig sind und Sie Ihre Daten mit einem grossen Unternehmen austauschen müssen. Gute Nachricht: Es gibt einige neue DITA-XML-Content-Management-Systeme, welche gut für kleine Arbeitsgruppen funktionieren und im Bereich von 15k bis 35k Euro liegen.
  • Inhalte nach DITA/XML zu konvertieren ist nicht leicht oder spassig und Sie werden wenigstens eine Vollzeitstelle für einen Experten benötigen, der alle zugrundeliegenden “versteckten” Strukturen voll versteht. Während viele Authoring-Lösungen während der Inhaltserstellung DITA “verstecken”, erliegen Sie nicht der Versuchung, einen Dienstleister Ihre DITA-Umgebung zu administrieren.
  • Zum Schluss stellen Sie sicher, dass Ihre internen Inhaltsersteller und Technischen Redakteure auch wirklich zu DITA “wechseln” wollen. Wenn sie mit dem Verfahren nicht einverstanden sind, kann ihr Widerstand viel Geld und Zeit kosten, und das “Return on Investment” für Monate oder sogar Jahre verzögern.

Nehmen Sie dies mit: Ja, DITA funktioniert und es ist es wert, aber es wird mehr kosten und weniger Spaß machen, als man Sie vielleicht Glauben machen wollte.

Was ist falsch mit Content Management?

Content Management Systeme (CMS) sind eine grosse Hilfe, und werden wahrscheinlich irgendwann für fast alle von uns obligatorisch. Hier ist der größte Fehler den Kunden machen: Nach einer Teilnahme an Dutzenden von Seminaren und nachdem Sie von den Vorteilen von DITA / CMS überzeugt wurden, wählen einige arme Seelen eine CMS-Lösung, ohne vollständig ihre eigenen Bedürfnisse abgeklärt zu haben. Das ist traurig, weil Content-Management-Gurus uns seit Jahren vor diesem Tool-vor-Strategie-Ansatz warnen. Sie sagen uns sogar, was es benötigt, um Erfolgreich zu sein – Analyse, Modellierung, Schulung in strukturiertem Schreiben für Wiederverwendung, Änderungskontrolle etc. – und wir hören nicht zu. So machen wir die gleichen teuren Fehler wie die Leute, welche vor uns schon diesen Weg gegangen sind.

Ich arbeitete mit einem Kunden zusammen, der eine aufgeblasene, sehr individuelle CMS-Lösung hatte, die mit hunderten von “Überraschungs”-Beratungsstunden verkauft wurde. Die Kosten über zwei Jahre überschritten 300’000 Euro bis das Produkt endlich “Live” ging; heute würden sie ihre Ziele mit einer Standardlösung für 40’000 Euro erreichen.

Schlimmste Fehler: Einige schlecht beratene Kunden lassen sich durch ihre Übersetzungsagentur bei der Auswahl einer CMS-Lösung beraten. Ja, Übersetzungs-und Content-Management sind eng verwandten, aber nicht so sehr! Den Übersetzungsdienstleister ihr CMS auswählen zu lassen, ist etwa so, als wenn Sie zu einem Innenarchitekten gehen, um Ihre Toilette reparieren zu lassen.

Neuer Trend: Aufgrund einer Reihe von Übernahmen durch größere Übersetzungsdienstleister, bieten jetzt mehr als ein Anbieter eigene XML-CMS-Lösung an. Fast alle diese Lösungen sind gut und können gute Ergebnisse produzieren, aber Vorsicht; die Software und Ressourcenanforderungen sind größer und leistungsfähiger als das, was Sie brauchen. Oft wurde die erworbene CMS-Lösung von einem anderen Unternehmen entwickelt, zu einer Zeit, bei der Übersetzung und Lokaliserung nicht zu ihrem Kerngeschäft gehörten. Denken Sie daran, dass unabhängig von der Berufsbezeichnung Ihres Beraters (z.B. Senior Globalization Strategist), Sie es im Wesentlichen mit einem Verkäufer zu tun haben. Und wenn er zu seinem Umsatz 50k Euro hinzufügen kann, dann wird er es tun.

Wem “gehört” das Translation Memory (TM)?

Seit Jahren ist dies für Kunden einer der missverstandensten Begriffe, wenn es um Übersetzungsprojekte geht. Ein Translation Memory ist nicht mehr oder weniger als eine Datenbank mit all Ihren zuvor übersetzten Texten. Linguistische Software “vergleicht” neue Quelltexte mit schon übersetzten Inhalten und ermöglicht dem Übersetzer eine “genaue” oder “unscharfe” Übersetzung zu wählen, um damit “Neuübersetungen” des gleichen Textes zu vermeiden.

Sie haben für jedes Wort Ihres TM bezahlt und es gehört Ihnen. Es sollte an Sie geliefert werden, mindestens vierteljährlich, wenn nicht bei jedem Projektende, so können Sie es, wenn Sie es wünschen, bei anderen Anbietern verwenden. Da draussen gibt es eine Handvoll von unehrlichen Übersetzungsdienstleister, die an Ihrem TM “hängen” werden und sich weigern, es Ihnen zu liefern. Sie denken offensichtlich, dass Sie für immer an sie gebunden sind, wenn Sie Ihr Eigentum nicht mitnehmen können. Wenn Ihnen das passiert, berechnen die Wortzahl in Ihrer TM, multiplizieren Sie diese mit dem Wortpreis Ihres Übersetzers und ziehen Sie die Summe bei Ihrer nächsten Rechnung ab.

Warum ist DTP notwendig?

Viele Kunden, für die Übersetzungen etwas neues sind, sind schockiert, dass ein wesentlicher Teil der Kosten durch das DTP erzeugt werden.

Viele Kunden, für die Übersetzungen etwas neues sind, sind schockiert, dass ein wesentlicher Teil der Kosten durch DTP (Desktop Publishing = Layouten) erzeugt werden. Warum ist das nötig? Grundsätzlich ist DTP nach der Übersetzug ein “Wiederaufbau des Dokumentes”. Die Lauflänge von Fremdsprachen kann bis zu 50% höher sein und das Layout einer Seite “zerstören”, dies kann aber auch die Übersetzungssoftware. Ältere Dokumente (Word, FrameMaker, InDesign), die gespickt sind mit manuellen Formatierungen auf Wortebene “zerfallen” fast, wenn sie durch den Übersetzungsprozess gehen. Dies kann dann viel Zeit für DTP verursachen. Und als einer der dort gewesen ist; nachträgliches DTP an “hässlichen” Dokumenten ist ungefähr so erfrischend, wie mit Keilschrift auf Tontafeln, anstallt auf dem iPad zu schreiben.

In einer “perfekten Welt” der DITA/XML/CMS-Publikationen und -Übersetzungen, kann Zeitaufwand für DTP nahezu ausgeschlossen werden. Aber die Realität ist, dass die meisten Kunden einfach nicht die Zeit haben, um ihre Inhalte vor der Übersetzung von unnötigen Formatierungen zu “befreien”. Und dies gibt eine “cash cow”-Möglichkeit für eine Handvoll von unehrlichen Übersetzungsdienstleister.

DTP-Spezialisten ausser Kontrolle!

DTP kann tatsächlich ein Lackmustest für die Integrität eines Anbieters werden. Kompetente, ehrliche Anbieter werden immer als Vorprojekt eine Dokumentenanalyse fahren und eine Liste der zu bereinigen, unerwünschten Elemente im Dokument liefern, die vor der Übersetzung bereinigt werden sollten und geben Ihnen sogar die Möglichkeit diese Quelldateien selbst zu bereinigen, um Kosten zu sparen. Eine Handvoll und unehrlichen Anbieter werden sich gierig die Hände reiben, Sie im Dunkeln lassen und überglücklich Ihnen Hunderte von vermeidbaren DTP-Stunden verrechnen. Wenn die DTP-Kosten 35% der Gesamtprojektkosten betragen, sollten Sie misstrauisch werden.

Was ist mit Anbietern mit wirklich “billigen” DTP-Sätzen?

Haben Sie sich jemals eines dieser T-Shirts "Made in Bangladesch" gekauft und die Hälfte der Knöpfe sind nach dem ersten Waschen abgefallen? Nun, Sie bekommen das, wofür Sie bezahlen und DTP nach der Übersetzung ist nicht viel anders.

Einige Übersetzungsdienstleister haben versucht wettbewerbsfähiger zu werden, indem alle DTP-Arbeiten ins Ausland verlagert wurden, vor allem nach China, den Philippinen und Indien. Dies ermöglicht es Ihnen, Kunden diese Dienstleistung für 25 Euro anzubieten (im Gegensatz zu den Regulären 50bis 65 Euro). Haben Sie sich jemals eines dieser T-Shirts “Made in Bangladesch” gekauft und die Hälfte der Knöpfe sind nach dem ersten Waschen abgefallen? Nun, Sie bekommen das, wofür Sie bezahlen und DTP nach der Übersetzung ist nicht viel anders. Die Methoden um günstige Kleider im Ausland herzustellen, angewendet für DTP-Buden, verheissen nichts Gutes für die Qualität der Ergebnisse. Und missverständliche Kommunikation zwischen zwei Managern, die kaum Englisch sprechen können, führen zu weiteren Fehlern.

Auf die Gefahr hin, politisch inkorrekt zu sein, habe ich persönlich beobachtet, dass DTPler in China nicht dazu aufgefordert wurden, Verbesserungsvorschläge zu machen – oder offensichtlich “falsche” Anweisungen von Autoritätspersonen in Frage zu stellen. Wenn Anweisungen nicht explizit definieren was kann und was nicht gemacht werden kann, dann können Probleme auftreten. Zum Beispiel verbieten Sicherheitsbestimmungen in China die Verwendung giftiger Chemikalien in der Farbe (z.B. Barbie’s Lippenstift), aber nicht in “Schmuckstücken” die auf Spielzeugarmbänder geklebt werden. Der kulturelle Erziehung in China bedeutet Anweisungen buchstabengetreu zu folgen, auch wenn diese Anweisungen offensichtlich falsch sind. Dies ist eine sehr allgemeine Feststellung, aber in meiner Erfahrung kommt es öfters vor als nicht, dass es bei DTP nach der Übersetzung zu Missverständissen kommt.

Nehmen Sie dies mit: Wenn Ihr Produkt etwas mit Menschenleben zu tun hat, dann holen Sie sich Referenzen bezüglich der DTP-Qualität ein, wenn dies nach Asien ausgelagert wird. Südamerikanische und osteuropäische DTP-Pools kosten etwas mehr, aber die Qualität ist wesentlich besser und Sie werden nachts viel besser schlafen können.

Die “Desktoper” beim Kunden arbeiten immer noch wie 2002!

Und bevor wir das Thema DTP verlassen, lassen Sie mich zu einen der größten Fehler kommen, den Kunden machen, einen Kommentar abgeben: Nicht deren Redaktions- und Publikationssoftware zu aktualiseren. Dies kann ein Schock für die Leute von Adobe und Microsoft sein, aber kürzlich in einer informellen Telefonumfrage, die ich mit 40 Mitarbeitern von Übersetzungsdienstleistern geführt hatte, entdeckte ich folgendes:

  • 75% unserer FrameMaker-Anwender benutzen immer noch die Version 7.2 (Release im Jahr 2002, hat keine Unicode-Unterstützung, erfordert viel Handarbeit, um osteuropäische Sprachen aufzuräumen)
  • Über die Hälfte unserer Kunden setzen die Adobe Creative Suite 3 (CS3) ein, sie haben nicht auf CS4 aktualisiert, geschweige denn die kürzlich freigegebene CS5
  • Und, Überraschung, Überraschung, wer kann, benutzt noch immer Microsoft Word 2003, weil sie die Benutzeroberfläche von Word 2007 absolut verabscheuen. Leider funktioniert erst Word 2007 auf der Basis von XML, welches die Inhaltserstellung mit DITA und CMS mit der richtigen Software von Drittanbietern auf “zauberhafte Weise” einfach macht.

Warum leben so viele Kunden in der Vergangenheit?

  • Das Management gibt uns nicht das Budget für die richtigen Software-Tools
  • Angst vor Veränderung: Sie sind einfach gewohnt so zu arbeiten (wörtlich von Dutzenden von Kunden)
  • Am Häufigsten; viele Kunden haben Niederlassungen im Ausland mit veralteter Hard- und Software und sind nicht in der Lage ihre Software zu aktualisieren. Deshalb veröffentlicht das Hauptquartier für den kleinsten gemeinsamen Nenner. Dies schliesst Sie grundsätzlich von der “Weltausstellung”-Lösung aus, von der Sie zuvor gelesen haben. Wenn die Leute den “Trylon und Perishere” sehen wollen, der zum Anfang dieses Artikels gezeigt wurde, dann benötigen Sie einen Hubschrauber, weil die Software, die Sie verwenden, Sie nicht durch die Tore der “Welt von Morgen” gelassen werden.

Nehmen Sie dies mit: Softwarehersteller, stellt mehr Software-Evangelisten ein. Es ist ein Vollzeitjob für jede größere Produktserie. Und nein, man kann nicht eine Person alleine FrameMaker, RoboHelp, TechComm Suite, eLearning und Gott weiss noch was fördern lassen. Lassen Sie nicht auf den Mythos der “erhöhten Mitarbeiterproduktivität” nach Entlassungen/Abbau der Mitarbeiterzahlen ein, wenn Sie mit einer dahinrottenden Kundebasis zurückgelassen werden.

Wieso muss ich für Projektmanagement bezahlen?

Wenn ich das umstrittenste Thema in unserer Branche nennen kann (wenn es um die Abrechnung geht), dann ist es das. Viele Kunden fühlen sich übervorteilt, wenn sie zu jedem Projekt nochmals 10 bis 13% Projektmanagement-Gebühren bezahlen müssen. Es fühlt sich ein bisschen an, wie ein Hotelzimmer-Service mit einem obligatorischen 18% Trinkgeld. Was, wenn Sie nicht gerne Trinkgeld bezahlen?

Projektmanagement ist ein notwendiges Übel bei Übersetzungsprojekten, zumindest für die absehbare Zukunft. Egal, wie “magisch” ein automatisiertes Projektmanagement-Portal ist, gibt es bei einem grösseren Projekt noch eine riesige Menge an Arbeit zu erledigen. Und dazu gehören viele E-Mails und Anweisungen des Kunden in sehr einfaches Deutsch zu “interpretieren”, die ausländische Übersetzer (die kaum Deutsch sprechen) verstehen können.

Welcher Anbieter hat die besten Übersetzer?

In den 90er Jahren war es selbst für mittelständische Übersetzungsbüros noch die Regel eine Reihe von eigenen Übersetzer im Hause zu haben. Mit einer immer schlechter laufenden Wirtschaft und der Unwilligkeit der Kunden nicht für “Leerlaufzeiten” zu bezahlen, wurden weltweit fast alle Übersetzer “freigestellt” und wurden freie Mitarbeiter.

Was bedeutet das? Es gibt einen riesigen Pool von freischaffenden Übersetzer da draussen und konkurrierende Übersetzungsdienstleister verwenden häufig die gleichen Übersetzer für unterschiedliche Kunden. Ist das schlimm? Nicht wirklich. Übersetzer werden sorgfältig ausgewählt, hoch qualifiziert (in der Regel in einer Fachrichtung, z. B. Finanzen oder Medizinalprodukte) und sind durch Geheimhaltungsverträge zu Verschwiegenheit verpflichtet.

Was dies bedeutet, ist dass alle Übersetzungsdienstleister sehr kreativ sein müssen, um sich vom Wettbewerb zu differenzieren. Die meisten Anbieter haben “Whitepapers”, Blogs und andere Eintagsfliegen auf ihrer Firmenwebseite, um Glaubwürdigkeit und besondere Begabungen zu zeigen. Einer der besten Wege, die Glaubwürdigkeit eines Anbieters zu beurteilen, ist an mehreren Seminaren teilzunehmen und ein paar wirklich schwierige Fragen zu stellen.

Zum Schluss

Natürlich habe ich nicht ein schönes Bild gemalt. Und da ich ein anonymer Angestellter eines Übersetzungsdienstleister bin, können Sie mir auch nicht eine E-Mail senden, um nach Rat zu fragen. Hier sind einige Vorschläge zum Schluss, falls Sie neu beim Thema Übersetzungen sind oder sich überlegen gutgläubig zur einer “besseren” Lösung zu wechseln:

  • Um einen neuen Anbieter zu testen, lassen Sie ihn mindestens ein kleines Pilotprojekt durchführen. Möglicherweise haben Sie etwas dafür zu bezahlen (was nur fair ist). Die übliche Praxis ist, dass die geringen Kosten des Pilotprojekts vom vollen Projekt abgezogen werden, wenn Sie dem Anbieter den Zuschlag geben.
  • Wenn Ihr Anbieter einen erheblichen Teil Ihres Projektteams in anderen Ländern hat, holen Sie eine Weltzeituhr raus und zählen Sie die Zeitzonen. Auch beachten müssen Sie die Anzahl nichkirchlicher und religiöser Feiertage (inbesondere in der muslimischen Welt), welche Ausfallzeit in Ihrem Projekt bedeuten.
  • Benutzen Sie Ihr Social-Networking um Kontakte zu finden, die mit oder auch für bestimmte Übersetzungsanbieter gearbeitet haben. Benutzen Sie Xing (oder für den angelsächsischen Raum “Linked In”), um Firmen zu suchen und Ihre Mitarbeiterfluktuation zu prüfen. Kontaktieren Sie einige ehemalige Mitarbeiter dieser Anbieter, für einen ungeschminkten Blick auf deren Praktiken.
  • Wenn Sie an Konferenzen oder Seminaren teilnehmen, stellen Sie fest, dass der vorstellende Referent wahrscheinlich ein wohlmeinendes, professionelles KMU ist, der ganz fest an seine Lösung glaubt. Aber alle Anbieter (und Linguisten) leben irgendwie in einer Seifenblase; wir arbeiten mit der neuesten Technologie (wenn möglich) und, im Gegensatz zu Ihnen, haben wir nie den ursprünglichen Inhalt zu erstellen.
  • Beobachten Sie einige industrielle Unternehmen wie BBT (Bosch-Buderus Thermotechnik), Geberit Klingelnberg oder SEW-EURODRIVE, um zu sehen wie diese ihre Übersetzungen im Griff haben. Treten Sie auch bei Social-Networking-Untergruppen bei, die sich zu den Themen Lokalisierung, Übersetzungen, Globalisierung und Internationalisierung spezialisieren, wo Sie Fragen stellen können und helfen bekommen Prioritäten zu setzen.
  • Am wichtigsten ist, dass Sie nie vergessen, dass Sie das Unternehmen sind, welches die Inhalte erstellt, nicht der Verkäufer. Der Hersteller (vor allem CMS oder Authoring-Software) “spielt” nur mit der Software; im Gegensatz zu Ihnen, denkt er ursprünglich gar nicht daran, dass ein falsches Wort einen Menschen in Gefahr bringen könnte.

Deshalb soll sich der Käufer hüten. Und möge der beste Anbieter und die beste Lösung Ihr Unternehmen als Kunden gewinnen.

Über den Autor

Der maskierte Lokalisierungsinsider

Dieser Beitrag wurde von dem “maskierten Lokalisierungsinsider” geschrieben. Er beschreibt sich selbst als “Bergarbeiter” der seit über 10 Jahren in der Übersetzungsindustrie begraben ist. Er spricht nicht an Konferenzen oder schreibt Blogs; wie er sagt, macht er “bloss seine Arbeit”. Er hat schon viele Funktionen inne gehabt, von Verkauf zu Produktion, sogar Entwicklung für mehrere europäische und amerikanische Übersetzungsbüros. Da er seine Arbeit mag, behält er seine Identität geheim, um Repressalien von empörten Übersetungsanbietern zu vermeiden (vor allem die englischen und chinesischen).

Dies ist eine übersetzte und lokalisierte Fassung des englischen Originals von “The Content Wrangler“.

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