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Software

Fallgruben oder was muss ich bei der Beschaffung einer Software zur Terminologie- und Translation Memory-Verwaltung beachten?

Wer kennt sie nicht, die CMS-Studie der Tekom? Dort können ja inzwischen fast alle Systeme alles, resp. sie haben alle die gleichen Funktionen. Wie gut die Bewertung in der Tekom-Studie gemacht wurde, möchte ich hier aber nicht diskutieren, sondern das Problem, dass wenn immer man Anwendungen rein nach den Funktionen vergleicht, man sehr schwer einen Favoriten erkennen kann. Leider ist es so, dass sich Qualität und vor allem die Benutzerfreundlichkeit von Anwendungen zur Verwaltung von TMs und Terminologie nicht einfach mit Datenblättern vergleichen lässt.

Ich werde in diesem Artikel aber nicht die drei Großen SDL, Star und Across detailliert bewerten. Jeder hat seine Stärken und einzelne auch massive Schwächen, auf die ich vielleicht ein anderes Mal eingehen werde.

Diese Punkte müssen genau geklärt werden
Bevor man mit der Beschaffung eines Tools beginnt, sollte man sich klar werden, was man haben willst. Dies aus zwei Gründen: Erstens will ich mich nicht einem Tool unterwerfen und zweitens bevorzuge ich so wenig unterschiedliche Hersteller wie möglich. Denn umso mehr Ansprechpartner/unterschiedliche Applikation man hat, desto mehr kriegt man Schnittstellenprobleme, resp. muss viel Geld in die Hand nehmen, um die Tools untereinander kommunizieren zu lassen.

Alles inklusive oder was?
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Leider wird auch heute sehr oft nach dem Preis eingekauft. Auf den Blick mag der eine oder andere Anbieter auch günstiger sein, jedoch verhalten sich die Tools dann wie deutsche Autos vor 20 Jahren, wo man im Gegensatz zu den Japanern, alles noch zusätzlich kaufen musste. Da wird aus dem vermeintlichen Schnäppchen plötzlich ein Fass ohne Boden… Was nützt mir die günstigste Terminologie-Anwendung, wenn ich für das Webportal nochmals 20000 Euro bezahlen muss. Oder für zusätzliche Plug-Ins für VPN- und Proxy-Technologie, was in vielen Industriebetrieben als Standard eingesetzt wird, nochmals Tausende von Euros in die Hand nehmen muss. Leider wir hier von einigen Herstellern (bewusst?) zu wenig Beratung gegeben und dann hat man ein teures Erwachen.

Optimale Lokalisierung, weltweit
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So, jetzt haben Sie Ihre Geschäftsführung dazu bewegen können, viel Geld für Ihr „Spielzeug“ auszugeben. Im Gegenzug dafür wurden günstigere und vor allem bessere und schnellere Übersetzungen versprochen. Und was kommt nun? Irgendwie finden Sie in Asien oder schon im exotischen Skandinavien fast keine Übersetzer, die mit Ihrem Tool arbeiten können/wollen. Das Resultat sind unverschämt hohe Wortpreise und Lieferzeiten, die 50% länger sind, als bei allen anderen Sprachen. Ist mir selbst schon passiert! Also, darum immer prüfen, ob ein Tool auch wirklich weltweit eingesetzt wird. Und damit kommen wir auch schon zum zweiten Punkt: Falls es Übersetzer gibt, die nicht mit Ihrem Tool arbeiten, was gibt es für Möglichkeiten? Oder noch simpler, Ihr Übersetzer hat nur die alte Version der Software. Was nun? Die radikale Methode wäre, dass wer für mich arbeitet, mit den von mir vorgeschriebenen Tools zu meinen Konditionen zu arbeiten hat. Leider ist die Praxis nicht so und deshalb benötigt man eine andere Möglichkeit. Die Lösung heißt, temporäre Lizenzen! Wenn ich viel Geld für ein Tool ausgebe, dann will ich mit meinen Lizenzen machen können, was ich will. Dies bedeutet am Schluss, dass ich nur sogenannte „concurrent-user“ brauchen kann, personen-bezogene Lizenzen (named-user) sind teurer Schrott. Leider haben nicht alle Hersteller ein solches Lizenzmodell und dies ist für mich das Killerkriterium schlichtweg. Also bitte unbedingt prüfen! Tja, ich habe das Problem nicht und gebe falls nötig im Rahmen eines Übersetzungsprojektes meinem Übersetzer eine Vollversion meines Tools. Ganz legal und ganz einfach.

Flexibilität und Skalierbarkeit
Ich habe es schon eingangs erwähnt: Ich will weder meine Prozesse, noch die Eintragsstruktur einem Tool anpassen müssen. Vor allem die Eintragsstruktur der Terminologie will ich so erfassen, wie ich diese für richtig halte. Ein anderes Thema ist die Performance der Tools. Aber nicht nur die Leistung, sondern auch wie viel Zeit benötige ich, um eine bestimmte Arbeit auszuführen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass man je nach Tool bis zu 50% einer Projektmanagerin für Übersetzungen einsparen kann. Wichtig ist auch noch, dass ich je nach Situation die Möglichkeit habe die Übersetzung entweder On- oder Offline machen zu können.

Fazit
Beim Beschaffen von Tools für Translation Memories und Terminologie, muss man sich um mehr, als nur um die technischen Daten kümmern. Wichtig ist, dass man ein paar „weiche“ Faktoren prüft und dann eine Entscheidung fällt. Vor allem zu beachten sind der „Gesamtpreis“, die Lizenzpolitik und wie sehr ich mich dem Tool anzupassen haben (was ich eigentlich gar nicht will!).

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