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Management

Perspektive Praktikum

von Michael Einmal und Pascal Kesselmark

„Wieso soll ich mir die Mühe machen und Praktikanten bei mir arbeiten lassen? Diese machen ja mehr Arbeit, als sie nutzen“, denkt sich so mancher Leiter der Technischen Dokumentation. Die Prozesse in der Dokumentation sind oftmals sehr firmenspezifisch, Software und Tools sind es ebenfalls. Rechnet sich der Aufwand zur Einarbeitung in den Arbeitsfluss? Darüber hinaus muss der Praktikant auf dem Produkt geschult werden und hochbezahlte Ingenieure – die Besseres zu tun haben – müssen geduldig für Rückfragen bereitstehen. Wenig bis keine Berufserfahrung auf Seiten der Praktikanten machen die Entscheidung der für Arbeitgeber nicht einfacher. Aber um eines vorweg zu nehmen: Ja, es macht Sinn und meistens lohnt es sich für beide Seiten!

Perspektive Arbeitgeber

Obwohl das Praxissemester zunächst für den Studierenden konzipiert wurde, kann auch die Industrie stark vom Praktikum profitieren.

Oftmals finden sich in kleinen oder mittelständischen Betrieben zusammengewachsene und eingefahrene Teams, die schon seit Jahren zusammen arbeiten. Hier besteht die Gefahr, dass die Gruppendynamik und der „Team-Spirit“ etwas abgenutzt werden. Praktikanten können leicht neue, persönliche Impulse für das Team auslösen und es motivieren.

Hinzu kommt, dass Studierende in der Ausbildung im Gegensatz zu langjährigen Mitarbeitern eine gewisse Distanz zu Prozessen und Dokumenten besitzen. Den „Neuen“ muss zunächst alles erklärt werden und sie sind immun gegen die eventuelle „Betriebsblindheit“ der Kollegen. Sie müssen Prozesse neu erlernen, durchdenken und anschließend analysieren. „Betriebsfremde“ erkennen dadurch schneller Optimierungspotential und Lösungen für Schwachstellen oder umständliche Arbeitsflüsse.

In manchen Firmen haben die Praktikanten darüber hinaus die Aufgabe mehrere Abteilungen zu durchlaufen und sind vielleicht in der Lage kritische Schnittstellen zu erkennen.

Das zentrale Argument für Praktikanten ist, dass Sie auf dem aktuellen Stand der Technik sind. Die Studierenden werden in den Ingenieurwissenschaften sowie in praxisnahen Methoden, Werkzeugen und Medien der Technischen Dokumentation ausgebildet.

Im noch jungen Fachgebiet ergeben sich ständig Innovationen und neue Technologien. Mitarbeiter die mit dem täglichen Arbeitsablauf beschäftigt sind, haben gelegentlich Mühe diesen Neuerungen genug Beachtung zu schenken.

Im Gegensatz zu fest angestellten Mitarbeitern erhalten Praktikanten ein vergleichsweise geringes Gehalt, da das Unternehmen in Ausbildungszeit investiert. Von Vorteil ist auch die begrenzte Anstellungszeit und falls beide Parteien später ein unbefristetes Arbeitsverhältnis wollen, kann der spätere Absolvent übernommen werden. Somit erspart man sich aufwändige Ausschreibungs-, Bewerbungs- und Auswahlverfahren sowie die Einarbeitung.

Im Praxissemester ist es üblich, dass der betreuende Professor/in der Universität oder Hochschule, den Praktikanten in der Firma im Rahmen des Praktikums besucht. Im Dialog zwischen Industrie und Hochschule besteht die Möglichkeit Kontakte zur Hochschule zu knüpfen und so Praktikanten, Bacheloranden und Absolventen zu werben. Eine weitere Art der Kooperation ist über studentische Industrieprojekte möglich: Hier arbeiten Gruppen von Studierenden an konkreten Aufgabestellungen unter Betreuung eines Dozenten an Großprojekten verschiedener Unternehmen.

Perspektive Praktikant

Das Praxissemester bietet für den Studierenden die Möglichkeit vielfältige Einblicke in Unternehmen und Fachgebiete der technischen Dokumentation zu erlangen. Speziell im Studium Technische Redaktion ist ein praktisches Studiensemester obligatorisch und es werden die Grundlagen aus dem Studium im Betrieb erprobt und vertieft. In der Vorlesung werden zwar Grundlagen für das Verständnis gelegt, aber um Routine zu gewinnen bleibt oft keine Zeit mehr. Die tägliche Anwendung von Programmen führt zu vielfach effizienteren Arbeitsweisen, als es in der Vorlesung der Fall ist. Neben den Hardskills können Praktikanten auch ihre persönlichen Softskills verbessern: Da Technische Redakteure ständig auf Informationen von Ingenieuren angewiesen sind, muss das Gespräch mit den Spezialisten verschiedenster Fachbereiche gut vorbereitet werden. Der Praktikant lernt die Funktion Technischer Dokumentation zu verkaufen, welche gerade im Maschinen- und Anlagenbau oftmals keinen leichten Stellenwert hat.

Über das Praktikum hinaus kann der Studierende seine persönlichen Fähigkeiten und Interessen für seine weitere Ausbildung, das Studium oder den Beruf erschließen und definieren.

Einsatzbereiche für Praktikanten

Der Ausbildungsstand nach dem Grundstudium liefert bereits eine gute Basis für viele Aufgaben in der Technischen Dokumentation. Die Studenten haben bereits Grundlagen in Ingenieurwissenschaften, dokumentationsspezifische Tools und Medien, Sprache, Visualisierung, selbständigen Projektarbeiten und in Gestaltung erworben.

Praktikantenstellen eignen sich zur Realisierung von Projekten aller Art. Das kann von der Auswahl eines Bildverwaltungstools, über die Erstellung eines Redaktionsleitfadens, bis hin zur Mitarbeit bei der Auswahl eines Redaktionssystems reichen. Vor Allem wenn das Unternehmen technologisches Neuland begehen möchte, die Redakteure und die Leitung der Dokumentation genug zu tun haben, kann es sinnvoll sein eine Praktikumsstelle anzubieten. Die fachlichen Anforderungen an die Praktikanten können je nach Projekt variiert werden.

Praktikanten gezielt betreuen

„Generation Praktikum“ steht für fast alles, was falsch gemacht werden kann: Keine oder schlechte Bezahlung, eintönige Arbeiten und keine — oder fast schlimmer wage Aussicht auf eine feste Anstellung. Generell ist es wichtig den Studenten als „volle“ Arbeitskraft zu behandeln. Verantwortung zu übertragen wirkt sich stets motivierend aus, bestärkt das Selbstbewusstsein und führt zum Schluss zu einem ernsthaften Arbeitsalltag. Die Vergütung ist ebenfalls einer der ausschlaggebenden Faktoren wie leistungsbereit und motiviert die Praktikanten täglich ihre Arbeit angehen. Je nach Industriezweig und Unternehmensgröße ist es üblich 500 bis 800 Euro im Monat zu bezahlen.

Praktikanten finden

Um Praktikanten erfolgreich zu werben, sollten die Aufgaben und Anforderungen möglichst präzise definiert werden. Es empfiehlt sich nicht nur im Internet die Stellenausschreibung zu veröffentlichen, sondern sich auch direkt an Hochschulen oder Ausbildungszentren zu wenden. Desweiteren können Praktikanten an regionalen Industriemessen, am „Karrierestand“ der Tekom-Jahrestagung oder auf der Tekom Webseite rekrutiert werden.

Fazit

Auf den Punkt gebracht: Praktikanten einzustellen lohnt sich! Es sind vor Allem niedrige Kosten und der aktuelle technische Wissensstand, die für die Praktikanten sprechen. Werden die Studierenden gut unterstützt und gefördert, sind diese auch bereit gute Leistungen zu erbringen und Verantwortung zu übernehmen. Und erst wenn dies für Arbeitgeber klar ist, dann lohnt es sich für beide Seiten. Wenn die Zeit effektiv genutzt wird, ist das Praktikum nicht nur ein Gewinn für die Ausbildung eines jeden Studierenden, sondern auch für jeden der sich die Mühe macht mit Praktikanten zu arbeiten.

Diskussion

Ein Kommentar für “Perspektive Praktikum”

  1. In diesem Fall gewinnen wirklich die beiden Seiten, natürlich nur dann, wenn die Beiden korrekt sind

    Posted by Natalie Rossberg | Dezember 30, 2010, 08:24

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